ENUM: Immer Anschluss unter dieser Nummer
Voice-Over-IP - das Telefonieren über das Internet - ist zur Zeit eines der Lieblingsthemen der Netz-Szene. Der so genannte ENUM-Standard wandelt Telefonnummern in Internet-Namen. Seit kurzem kann man ENUM-Domains regulär beim deutschen Netzverwalter DENIC ordern.
Wer viel unterwegs ist, kann ein Lied davon singen: Man sitzt im Zug
zwischen A und B und wartet darauf, dass die Bestätigung für einen
Auftrag per Mail eintrifft. Unterwegs E-Mail abzurufen, ist ja kein
Problem per Handy, Hotspot mit drahtlosem Netz oder UMTS-Karte. Aber
Pech gehabt. Der Kunde schickt die Bestätigung nämlich ausgerechnet
dieses Mal nicht per Mail, sondern per Fax. Er hat mehr Vertrauen in
die Kommunikation auf Papier. Das Faxgerät steht natürlich zu Hause
neben dem Schreibtisch. Die wichtige Mitteilung bleibt also so lange
unbearbeitet, bis man wieder im Büro ist. Oder man will endlich mal eine Stunde ohne Störung durcharbeiten und hat sich eine Mail-Pause verordnet. Daraus wird nichts. Ungeduldige Kollegen versuchen ihr Glück per SMS und machen die notwendige Konzentration zunichte. Das könne man doch vermeiden, meint Sabine Dolderer. Sie ist Geschäftsführerin der Genossenschaft DENIC, die ab April nicht mehr nur de-Domains, sondern auch so genannte Enum-Namen verwaltet. Das Besondere an diesen Enum-Namen ist, dass sie die Telefonnummer ihres Besitzers und seine Internet-Adresse koppeln. Gehört einem also die Telefonnummer 1234 und der Netzname Maxmueller.de, kann man diese zusammenführen. Erhält man einen Anruf, ein Fax oder eine Mail, dann kann das Endgerät bei Enum nachschauen, was es damit tun soll, so Dolderer:
Sie haben auch als Nutzer die Möglichkeit, bestimmte Anwendungsprofile zu hinterlegen, das heißt für bestimmte Services oder Dienste ihre eigenen Dienste oder Zugänge, die sie bevorzugen, beispielsweise wo sie ihre Faxe empfangen wollen, wo sie ihre SMS empfangen wollen, im Enum zu hinterlegen.
Das heißt, dass ein Benutzer nur noch einstellen muss: "Bin heute unterwegs". Alle Ruf-, SMS- oder Mail-Umleitungen, die er sonst von Hand eingibt, sind so lange aktiv, wie er das möchte.
Der Dienst, der sie verknüpft, schaut nach: aha, die SMS, er möchte sie auf seinem Mobiltelefon haben, verbindet dann zum Mobiltelefon und schickt ihnen die SMS zu. Wenn er ein Fax schicken soll, konnektiert er zum Internet, schaut nach, wo soll das Fax für den Kunden hin und kann dann direkt verbinden.
Das funktioniert mit allen Geräten, die in der Lage sind, Kontakt zum Internet aufzunehmen. Das können entweder Rechner mit Netzzugang sein oder Telefone, die das Internet-Protokoll SIP verstehen. Oder in Unternehmen Telefonanlagen, die auch über Internet Verbindungen herstellen können. Außer mehr Bequemlichkeit bringt Enum auch die Möglichkeit, zu sparen. So haben die Benutzer die Möglichkeit, Mobilnetze zu umgehen. Sie können bei Telefonaten im Ausland das oft teure Roaming umgehen, indem sie per Enum Internet-Telefonie nutzen. Als Kampfansage an die Mobilnetzbetreiber mag DENIC-Chefin Dolderer das aber nicht sehen:
Ich würde das nicht als Bedrohung bezeichnen, sondern als Ergänzung. Sie brauchen ja immer, um Internet-Telefonie betreiben zu können, auch Internet-Zugang. In bestimmten Hotspots haben sie das, sie haben das aber nicht flächendeckend, aber sie können in den Bereichen, wo sie Hotspots oder Zugänge haben, können sie zusätzlich Internet-Telefonie nutzen. Es gibt heute auch schon Geräte, die beides unterstützen, das heißt IP-Telefonie und klassische Mobiltelefonie.
Im Moment haben die Netzbetreiber aber sowieso noch Zeit, sich zu überlegen, wie sie mit Enum-Nutzern umgehen. Der Dienst kämpft noch mit dem Henne-Ei-Problem: Es gibt noch nicht viele Benutzer, und so lange es nur wenige Benutzer gibt, ist auch der Einstieg für Neulinge nicht besonders attraktiv, da sie in den Enum-Verzeichnissen keine Kommunikationspartner finden. Ein weiteres Handicap für Enum ist, dass viele Internet-Provider, die Internet-Telefonie anbieten, kein Interesse an einem wirklich offenen Enum-Dienst haben. Der Grund: Sie erhalten Geld von der Telekom, wenn ein Gespräch in ihrem Netz auf einem Endgerät landet. Hat jemand aber um- oder weitergeleitet, dann gehen diese Umsätze möglicherweise flöten.
So benutzt Schlund und Partner Enum zwar, um Gespräche zwischen den Schwesterunternehmen Web.de, 1&1, und GMX zu vermitteln, plant aber keinen öffentlichen Service. Der Berliner Dienstleister Strato lässt für seinen Service Iphone nur ausgehende Enum-Abfragen zu. Offensiv angeboten wird Enum derzeit bereits von den Unternehmen, die reine Internet-Telefonie anbieten und mit Enum ihre Angebote aufwerten können. Wer dort über Datennetze telefoniert, bekommt Enum-Dienste wie die Weiterschaltung oder die einfachere Verbindung mit anderen Internet-Telefonierern gratis dazu. Erst wenn dadurch eine kritische Masse erreicht ist, werden wohl auch die Großen nachziehen müssen.
Quelle: http://www.dradio.de